Vom Kauf des Kinderheims und kahnartigen Betten
Es begann damit, dass sich der Posthalter des Dorfs Langenbruck, der auch in der Schatzungskommission des Elternvereins Sonnenhof Arlesheim mitarbeitete, sich auf die Suche nach einem geeigneten Ort für ein Heim zur Betreuung Schwerstbehinderter machte. Er stiess auf das Kinderheim in Langenbruck, welches leer stand und nicht mehr benötigt wurde, nachdem man die Tuberkulose mit Medikamenten bekämpfen konnte und Luftkurorte wie Langenbruck nicht mehr gefragt waren.
Das Haus wurde vom Vorstand des Elternvereins besichtigt, gutgeheissen und gekauft: für 280’000 CHF samt Umschwung und Inventar. In der Vereinskasse waren kaum ein paar hundert Franken, als der Kaufvertrag am 22.4.1966 unterzeichnet wurde.
Die IV leistete damals nur dann Beiträge an ein Erwachsenenheim, wenn mindestens 60% der Insassen eingliederungsfähig waren. Eine Werkstatt war somit Bedingung für die Finanzierung. Und diese musste sich selbst tragen. Erschwerend kam dazu, dass Beiträge der IV und allenfalls des Kantons Baselland nicht vor zwei Jahren zu erwarten waren. Vor den Eltern lag also eine lange finanzielle Durststrecke.
Wiederum hiess es für die Eltern, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen, damit das Vorhaben, ihre Kinder adäquat unterzubringen, gelingen konnte. Angehörige gaben zinsfreie oder zinsgünstige Darlehen. Mit Bettelbriefen warb der Vorstand bei Freunden und Firmen für Spenden und zwei Hypotheken wurden aufgenommen.
So konnte das Kinderheim in Langenbruck gekauft werden. Es blieb sogar ein Restgeld, um die Innenräume streichen zu lassen, ein zweites Bad und eine Heizung einzurichten. Die Küche wurde sanft renoviert. Über jedes Möbel- und Ausstattungsstück, das schon da war, war man froh. Wie etwa über die grossen, kahnähnlichen Betten samt (alten!) Matratzen und bergartigen Deckbetten.
Wo aber sollte man das Geld für die von der IV verlangte Werkstatt – die man im Heimgebäude nicht unterbringen konnten – hernehmen?
Die für die Sonnmatt bestellte Heimkommission wurde fündig. Sie mietete zu günstigem Preis eine ausgediente Nationalstrassenbau-Baracke. Freiwillige – Lehrlinge der Aktion 7 – stellten sie gratis auf. Nun stand ein Raum bereit für Web-, Holz-, Wachs- und Strickarbeiten. Dazu kamen neu Metallarbeiten; Firmen liessen Einzelteile aus Metall in der Sonnmatt zusammenfügen.
Somit war sichergestellt, dass die Finanzierung auch durch die IV mitgetragen wurde, auch wenn der Betrag erst 1969, d.h. 3 Jahre nach dem Kauf eintraf. Es war nur ein Drittel des Kaufpreises, der nochmals um ein Viertel reduziert wurde, da das Heim 25% nichteingliederungsfähige Menschen beherbergte.
Zwei Jahre nach der Gründung zählte das Heim 13 Betreute (wovon fünf „Pflegefälle“) und – neben den Heimeltern – zwei Mitarbeiter. Zwei weitere Stellen waren bewilligt. Aber es war schwierig – und blieb es über Jahrzehnte – Mitarbeiter zu finden.
Auch heute, sechzig Jahre später, sind die finanzielle Unterstützung wie auch der Mangel an Fach- und Pflegepersonal für Behinderte leider immer noch die grössten Herausforderungen unserer Institutionen. Man scheint wenig aus der Geschichte gelernt zu haben. Immer neue Anforderungen des Kantons und des Bundes, welche oft an der Realität des Betreuungsalltags in unseren Institutionen vorbei gehen, fordern all jene, die sich tagtäglich um die Bewohnende kümmern. Damals wie heute gilt es daher die Vorgaben mit Augenmass und liebevollem Menschenverstand so umzusetzen, dass sie für unsere Klientel einen wirklichen Mehrwert bringen.
Dazu mehr in unserer nächsten Geschichte, die uns zum heutigen Engagement der Stiftung führen wird.